Missglückte Rettungsaktion in Fallujah

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    • Missglückte Rettungsaktion in Fallujah

      Ich habe einen Vortrag über "Situational Awareness & TCCC" besucht und dort wurden Lektionen aus OIF und OEF vorgestellt. Die Bilderserie ist sehr drastisch, man sieht den ersten Verwundeten auf der Strasse, dass nächste Bild zeigt einen Medic bzw. Corpsman (weil Marines) der versuchte den Kameraden zu retten und wie er ebenfalls angeschossen wurde. Die letzten zwei Bilder zeigen dann insgesamt fünf (sic!) Marines auf der Strasse, alle Verwundet.

      Hier ein Teil der Serie:
      military-medic-outdoor.de/inde…f641d2738a1bde8d4c99b845c

      Echt übel und alle Teilnehmer waren sichtlich Betroffen. Vor allem weil durch ein zusammenwirken von Waffen, eine Rettung mit weniger Risiko möglich gewesen wäre.

      Zum Thema Medic & Co. :

      Heute habe ich mal wieder Kameraden mit Blutgruppentags gesehen. Diesmal auf einem IFAK von einem Mitbewerber, dass vom Chest-Rig abgenommen werden kann. Eine Rückfrage bei dem HG brachte zum einen den Preis für die Blutgruppentags als auch den Sinn in Frage. Die Dinger haben ihn 30 EUR´s gekostet und machen keinen Sinn.
      Warum ?

      1.) Es wird in jedem Fal vor einer Transfusionl ein Schnelltest durchgeführt - bei uns genauso wie bei anderen NATO-Armeen. Keiner beachtet ein solches Teil
      2.) Es ist auf einem abnehmbaren IFAK befestigt !!!!!!! Wem also gehört denn dann das Tag, wenn man ein IFAK minus dem Besitzer findet ???? :?: :sleeping:

      Aber es gibt andere Dinge, die man auf einem solchem Tag mitteilen kann:

      Allergien nämlich :thumbsup:

      kein Penecillin -> NO PEN
      kein Aspirin -> NO ASA
      keine bekannten Allergien -> NKA
      keine Medikamentenallergie -> NKDA

      Und das Teil dann mit PK versehen an die Erkennungsmarke. Man kann es sich sticken lassen aber ich empfehle: Mit dem PC ausdrucken, in Folie laminieren und ein Loch rein, E-Marken-Kette einfädeln & gut iss.
    • Wenn sie auf die Blutgruppentags nicht reagieren wieso sollten sie auf die anderen Tags reagieren? Finde zwar Tags an Weste hätten Personenbezug, aber wenn sie trotzdem einen Schnelltest machen haben die wenig Sinn. Da ein Schnelltest für Allergien nicht gibt wäre es vielleicht ratsam doch mal die Tags zu beachten. Aber ich denke es kommt auch auf die Situatuion drauf an, bei Übungen und Einsatzvorbereitungen ist Zeit für Schnelltest. Im Einsatz würde ich vermuten das da ein wenige "laxer" reagiert wird.
    • Die Blutgruppentags haben einen Sinn: Voranmeldung in der Klinik.

      Inzwischen werden von den Amis und Engländern auch nötigenfalls Blutkonserven ins Feld geliefert bzw. im MedEvac vorgehalten. Hinzu kommt das Prinzip der "walking bloodbank", wobei Deutschland in der Hinsicht mal wieder weit hinter der Kurve liegt.
      In der taktischen Medizin kommen dagegen Penicilin und Aspirin selten vor.
    • Gut das einer Hellsehen kann .. Heute nacht ist mir nämlich die Frage eingefallen inwieweit Penicilin und Aspirin im Notfall eingesetzt werden. Wie geht denn das mit den Blutkonserven im MedEvac? Bekommen die bei der Anforderung dann gesagt man braucht Blutkonserven bzw hat einen Schwerverletzten mit der und der Blutgruppe? Denke mal dann zögert das die Evakuierung doch etwas raus.
    • ALCs schrieb:

      Wie geht denn das mit den Blutkonserven im MedEvac? Bekommen die bei der Anforderung dann gesagt man braucht Blutkonserven bzw hat einen Schwerverletzten mit der und der Blutgruppe?


      Kleiner Ausflug in die Geschichte:

      Eine Gruppe Special Forces wurde in Afghanistan auf einem Hügel abgesetzt. Auftrag: Das umliegende verlassene Talibanlager nach Intel durchsuchen und mit Sprengladungen unbrauchbar machen.
      Doof: Das Lager war gar nicht verlassen. Die SFler fanden sich im reinsten Custers Last Stand wieder, umgeben von hunderten Taliban die Tag und Nacht angriffen. Luftunterstützung war kaum möglich (ich glaube es lag am Wetter, bin aber nicht mehr sicher).
      Eine Einheit Pararescue wagte den Absprung und landete in diesem Hornissennest um die Einheit medizinisch und kampftechnisch zu unterstützen und die Geschichte zog sich eine Weile hin. Dann kam es zu einem höchst unschönen Zwischenfall. Einer der PJs bekam einen Treffer in die Achselhöhle, und das Schrappnell nickte seine Vena Cava superior an.

      Die Verwundung war simpel und nicht zu behandeln, er verblutete langsam aber sicher vor sich hin. Als PJ begriff er natürlich was er sich da eingehandelt hatte. Während er in der Stellung lag und die Angreifer beschoss, schrieb er einen Abschiedsbrief an seine Frau in dem er erklärte was passiert war, wie sie sich um Bank, Haus und Formalitäten kümmern sollte etc. Auch von einem kleinen Konflikt zwischen seinen PJ-Kameraden und dem Offizier der Einheit.

      Konflikt: Sie schlugen eine Blutspende vor. Zu dieser Zeit war das verboten (ohne Schnelltests, Tests auf Krankheiten, Allergien etc.) aber die Fähigkeiten waren vorhanden. Der Offizier war mit der Transfusion an sich einverstanden, wollte aber wissen ob durch den Blutverlust nicht der Spender in seiner Kampffähigkeit eingeschränkt würde. Das konnten die PJs nicht beantworten, deswegen kam es nicht dazu und der Verwundete starb nahezu moviemäßig kurz vor der Evakuierung.


      Sehr publikumswirksam, dieser Brief und die Tragik. Dadurch kam es zu starkem Druck auf das Verteidigungsministerium und inzwischen wird mit Feldtransfusionen sehr viel lockerer umgegangen, da sie sehr viel unkomplizierter sind als vorher angenommen. Daher gibt es inzwischen wieder die "walking bloodbank" (jeder Soldat einer Einheit ist getestet und als Blutspender für Verwundete im Feld heranziehbar, jeder 18D, Corpsman hat das nötige Equipment dabei) und in den CSH werden Blutkonserven vorgehalten und wo nötig ins Feld transportiert.

      Denke mal dann zögert das die Evakuierung doch etwas raus.

      Weil ein Typ mit einem Container in den Kühlraum läuft, Blutkonserve einpackt, aufs Flugfeld fährt und den PJs während der Startvorbereitung das Ding in die Hand drückt? Das ist eins ehr kurzer Weg und rettet Leben. Einen Patienten mit unkontrollierter Blutung kann man nicht anders am Leben erhalten. Entweder er kriegt frisches Blut, oder Blutkonserve. Jede andere Flüssigkeit erhöht nur den Druck, verschlechtert die Gerinnung, macht nix am Sauerstofftransport und tötet den Patienten.
    • ...aber was bringen EINE oder vielleicht ZWEI konserven bei einer massenblutung oder einer unstillbaren blutung ? oben rein, unten raus ?! vielleicht wäre der pj mit EINER transfusion zu retten gewesen bzw. hätte noch gelebt bis der medevac gekommen wäre, doch das ist reine spekulation....

      und zur walking bloodbank, da müsste man ja, der effizienz halber, in jeder einheit einen 0- typen vorhalten und das ist nicht umsetzbar :?: :!:
    • GebSan schrieb:

      ...aber was bringen EINE oder vielleicht ZWEI konserven bei einer massenblutung oder einer unstillbaren blutung ?

      Ich lagere den Patienten ruhig und erhalte seinen Blutdruck um 90mmHG (radial pulse) oder wenn es sein muss sogar 40mmHG (carotid pulse). Trotz stetiger Blutung bleibt seine Perfusion erhalten, er überschreitet nicht die magische Grenze an Blutverlust die ihn zu einer wandelnden Leiche macht selbst wenn er lebend im CSH ankommt. Hinzu kommt das irgendwann die cavity der Blutung angefüllt ist, und sich die Blutung von selbst verlangsamt bzw. im schönsten Falle sogar stoppt.

      Nein, eine freie femorale Blutung kann ich damit nicht kompensieren. Aber die kleinen unkontrollierbaren Sickerblutungen nach exposure to blast können damit kompensiert werden.

      Außerdem, was ist dein Ansatz? Kein Blut und statt dessen das alte 14G links und rechts, NaCl und gib ihm? Ich kann den Patienten auch gleich erschießen, das spart Zeit.
      Fakt ist: Erhält ein blutender Patient Blutkonserve oder whole fresh blood, so sind seine Chancen die Evac zu er- und überleben weitaus höher. Wenn machbar, kriegt er das also.


      und zur walking bloodbank, da müsste man ja, der effizienz halber, in jeder einheit einen 0- typen vorhalten und das ist nicht umsetzbar :?: :!:


      Sehr Deutsch.
      Nein, wenn der 0- Typ vor sich hinblutet und es keinen 0- Spender gibt in dem schönen Fleckchen Erde in dem man grad ebschossen wird, dann kriegt der 0- Typ keine Blutspende. Voll doof und gemein und überhaupt nicht demokratisch, aber angeblich ist Krieg unfair.
      Ist das ein Grund auch den massenweisen A/B und glücklichen AB Typen diese letzte Chance vor zu enthalten? In deiner Welt anscheinend schon, Andernorts dankenswerter Weise nicht.
    • Mir geht grad auf das vieleicht etwas missverstanden wurde: Es wird kein 0- Typ vorgehalten als walking bloodbank. Die gesamte Einheit ist die Walking bloodbank. A+ kriegt A+, AB- kriegt AB-. Wenn das nicht geht halt nach weiterer Möglichkeit z.B. AB- kriegt B- etc....

      Also kein 0- als Zapfsäule ;)
    • @ Shiremono: Ohne deinen letzten Beitrag hätte ich das Ganze auch gerade missinterpretiert.

      Weisst du, ob einem da gleichviel Blut wie bei der zivilen Blutspende abgenommen wird? Also 0.5l? Oder wird da dann weniger "abgezapft" um das Risiko eines Ohnmachtsanfalles beispielsweise zu senken :S ? (sorry, bin im medizinischen Bereich ein absoluter Laie...)
      Ich (m) arbeite aktiv an der Gleichstellung, darum parkiere ich immer auf den Frauenparkplätzen. :thumbsup:

      "Tyranny is defined as that which is legal for the government, but illegal for the citizenry" - Thomas Jefferson

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von boffi ()

    • Lol ernsthaft Leute, das da ein armer 0- Soldat als Walking bloodbank abgestellt wird sollte euch etwas seltsam erscheinen ;)

      Also: ALLE sind getestet und ALLE sind Spender für ALLE. Diese direkte "whole fresh blood" Spende ist natürlich das Mittel der letzten Wahl wegen den einhergehenden Risiken, in einer extended fieldcare ist man aber ganz schnell bei dieser Option angekommen.

      @boffi: 1 unit sind 500ml. Diese 500ml müssen innerhalb von 4h weitergegeben werden (Buddy transfusion, gilt nicht für reguläre Konserven).
      Wenn nötig können von einem verstorbenen Patienten innerhalb von ~30 min des Todes bis zu 2 Units über die jugularis und femoralis gewonnen werden.

      Es wird meistens zu einer leichten transfusion reaction kommen. Kommt es zu rash, fever, itching so wird die Transfusion gestoppt, eine Probe am Patienten befestigt für das CSH, die Reaktion in der Card aufgezeichnet und Benadryl/ Solumedrol verabreicht um die Reaktion zu lindern.


      Edit: Und keine Sorge, in Deutschland bzw der Bundeswehr in Afgh sind wir von sowas weit weit weit entfernt. Ihr kriegt euer Ringer und im Zweifelsfall wird das Sichtfeld enger und tunnelförmig bis es komplett schwarz ist. Was danach kommt, keine Ahnung ;)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Shiremono ()

    • Shiremono schrieb:

      Edit: Und keine Sorge, in Deutschland bzw der Bundeswehr in Afgh sind wir von sowas weit weit weit entfernt. Ihr kriegt euer Ringer und im Zweifelsfall wird das Sichtfeld enger und tunnelförmig bis es komplett schwarz ist. Was danach kommt, keine Ahnung ;)


      ich muss sagen dein Schreibstil ist einfach nur.... :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:
      Alles Liebe aus Aachen
      LG Walter

      Wer Rechtschreibfehler findet, darf diese behalten :!:
      Lieber ein Wolf Odins... als ein Lamm Gottes
    • Hmm, warum hat jeder bw-Soldat einen blutgruppenausweis, eigentlich hätten wir ja schon die Voraussetzungen dafür, fehlt nur noch das Equipment...

      Ja, sicher steigen die Chancen mit einer Transfusion, es kommt eben auf die Verletzung an...und schuß oder explosionsverletzungen gehen nunmal meist mit starken Blutungen einher, und klar würde ich auch alles tun um den Patienten zu retten. Und nein, nacl anhängen und den Patienten leerspülen würde ich nicht....
    • GebSan schrieb:

      Hmm, warum hat jeder bw-Soldat einen blutgruppenausweis, eigentlich hätten wir ja schon die Voraussetzungen dafür, fehlt nur noch das Equipment...

      Recht. Du darfst keinem Patienten unbehandeltes Blut verabreichen wegen der Infektionsrisiken. Außerdem betrachtet man die Bluttransfusion in Deutschland als ganz ganz schwierig und gefährlich und aufwendig und keinesfalls möglich ohne Arzt weil das ja sonst eigentlich keiner kann...babababa.

      Die Amis haben da auf Grund ihrer recht genauen Beobachtung ihrer nicht unbeachtlichen Verluste in jedem Krieg einen etwas pragmatischeren Ansatz. Tatsächlich gab es schon im Vietnamkrieg derlei Buddy-Transfusions bis mal jemand auf den Gedanken kam das ein geretteter Soldat mit plötzlicher HIV-Infektion klagen könnte. Daraufhin hat man still und leise diese Praxis eingestellt als hätte es sie nie gegeben und erst vor kurzem wieder aus dem Keller geholt.
      Trotz genauen Screenings der Soldaten vor ihrem Einsatz bleibt natürlich ein Infektions-Restrisiko und ein Transfuionreaction-Risiko besteht sowieso. In der Abwägung "Sicherer Tod" gegen diese möglichen Risiken hat aber glücklicher Weise die Vernunft gesiegt...mit ein bischen dramaturgischer Hilfe seitens des gefallenen PJ und seiner Hinterbliebenen.